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Der Startknopf: Skarpur lernt Sprühflaschen akzeptieren

Freiwillig funktioniert besser

Islandpferd Skarpur steht mit verträumtem Blick in einem Paddock

Skarpur hasst Sprühflaschen. Wenn er eine sieht und nicht angebunden ist, rennt er weg. Wenn er angebunden ist, dreht er die Ohren zurück und steht angespannt da, als würde er geprügelt.

 

Er ist aber Ekzemer und muss regelmäßig mit Fliegenspray eingesprüht werden. Außerdem hat er eine Narbe am Hals, die er oft aufschubbert, und die dann mit Desinfektionsspray oder manchmal auch mit Antibiotikumspray behandelt werden muss.

 

Also habe ich mich daran gemacht, ihm die Sprühflasche "schmackhaft" zu machen.

 

Die Methode meiner Wahl: Der "Startknopf".

Freizeitreiterin Sigrid grinst in die Kamera während sie ihrem zufrieden aussehenden Pferd ein Leckerli gibt

Die Idee dahinter ist recht einfach:

 

Das Pferd soll selbst entscheiden, ob es eine unangenehme Prozedur über sich ergehen lassen will, oder ob es im Augenblick damit überfordert ist. Wenn das Pferd zustimmt, wird die unangenehme Sache durchgeführt und es gibt zur Belohnung ein Leckerli.  

 

Dabei lernt das Pferd, einen Gegenstand mit der Nase zu berühren, wenn es der Prozedur zustimmt.

 

Das Einsprühen ist ein typisches Anwendungsbeispiel für den Einsatz eines Startknopfes: Wenn das Pferd sich bereit erklärt, eingesprüht zu werden, stupst es die Sprühflasche an, wird eingesprüht und bekommt seine Belohnung.

Fliegenspray bei Loesdau
Fliegenspray bei Loesdau

So die Theorie.

 

Ich bin allerdings anfangs skeptisch: Skarpur findet das Eingesprüht-Werden offensichtlich fürchterlich. Wird er das Leckerli wichtig genug finden, dass der das Einsprühen in Kauf nimmt?

 

Einen Versuch ist es auf alle Fälle wert.

Leckerlitasche bei Loesdau
Leckerlitasche bei Loesdau

Experiment "Startknopf"

Isländer Skarpur, ein Schimmel mit kurzer Mähne, steht auf dem Anbindeplatz und guckt in Richtung Kamera

Also los geht’s, erstmal mit dem angebundenen Skarpur:

 

Ich halte ihm die Sprühflasche hin. Er ist misstrauisch, aber da ich einfach nur still halte und nicht versuche ihn einzusprühen entspannt er sich schnell wieder. Jetzt wird er neugierig und schnuppert an der Flasche, berührt sie dabei mit der Nase.

 

Das ist mein Signal, ihn zu loben und kurz zu sprühen, dann gibt’s sofort ein Leckerli. Skarpur lässt das brav über sich ergehen und nimmt das Leckerli gerne.

 

Beim nächsten Versuch dreht er zwar den Kopf in Richtung Sprühflasche, berührt sie aber nicht. Ich nehme die Abkürzung und berühre seine Nase mit der Sprühflasche, lobe ihn, sprühe, gebe ihm sein Leckerli.

 

Beim dritten Versuch berührt der die Flasche wieder von sich aus, ich sprühe, belohne und bin mit dem Ergebnis des Tages erst mal zufrieden.

Freizeitpferd Skarpur steht entspannt im Paddock

Am nächsten Tag erkennt Skarpur das Spiel offensichtlich wieder, und ich kann ihn mit seiner Zustimmung einsprühen. Und der gewünschte Effekt scheint schon eingetreten zu sein: Skarpur ist heute deutlich entspannter als sonst, wenn ich mit der Sprühflasche komme.

 

Ich steigere den Schwierigkeitsgrad: Beim nächsten Besuch im Stall gehe ich mit meiner Sprühflasche in den Laufstall und möchte Skarpur behandeln, ohne ihn aufzuhalftern. Der sieht die Sprühflasche und reagiert wie gewohnt: Schnell von mir wegdrehen und fluchtbereit stehen, Ohren nach hinten gedreht. Ich bleibe stehen, spreche mit ihm und öffne den Reißverschluss der Leckerli-Tasche.

 

Das Geräusch kennen und lieben meine Pferde: Skarpur dreht den Kopf zu mir, die Ohren wieder neugierig nach vorne gerichtet.

 

Ich gehe auf ihn zu, zeige ihm Sprühflasche und Leckerli. Da kommt die Erinnerung an die letzten Tage zurück, und Skarpur stupst an die Sprühflasche, lässt sich kurz einsprühen und bekommt sein Leckerli.

 

Erfolg!

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Skarpur steht im Paddock, den Kopf von der Kamera weg gedreht, aber so, dass er die Reiterin hinter sich noch mit einem Auge beobachten kann

Am nächsten Tag scheint er aber alles vergessen zu haben und läuft im Paddock vor mir weg, als ich mit der Sprühflasche zu ihm komme. In den nächsten Tagen übe ich erstmal wieder am Andbindeplatz.

So geht es eine Zeit lang auf und ab.

 

Bis eines Tages der Durchbruch kommt, und zwar nicht, weil Skarpur das Einsprühen bedingungslos akzeptiert, sondern ganz im Gegenteil:

 

Ich habe es eilig und will ihn behandeln, während er nach der Arbeit seinen wohlverdienten Futtereimer leert. Ich zeige ihm die Sprühflasche und warte darauf, dass er dran stupst – vergeblich!

Im Gegenteil, Skarpur dreht angewidert den Kopf weg.

 

Das ist mal eine eindeutige Aussage! Ich stelle die Sprühflasche also wieder weg und warte höflich, bis er seinen Eimer leer gefressen hat.

Skarpur nimmt mit zufriedenem Gesichtsausdruck ein Lederli von der Hand

Und siehe da, danach stupst er die Sprühflasche an und lässt das Sprühen geduldig über sich ergehen. Und im nächsten Tag frei im Laufstall ist das Sprühen wieder gar kein Problem.

 

Skarpur hat gelernt, dass er die Kontrolle darüber hat, wann gesprüht wird. Und das scheint für ihn einen riesengroßen Unterschied zu machen.

 

Irgendwie nachvollziehbar, wenn man darüber nachdenkt.

 

Wer mag schon hilflos ausgeliefert sein, wenn unangenehme Dinge passieren?

 

Ich definitiv nicht!

 

Und Skarpur offensichtlich auch nicht.

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