Wichtig sind die schönen Momente
In den letzten Wochen habe ich viele nachdenkliche Posts über mein momentan gar nicht fittes Pferd geschrieben und mir viele Fragen gestellt.
Geht es meinem Pferd wirklich schlecht oder ist er nur faul und bockig?
Reicht meine Pferdeerfahrung aus, um Helgi aus der aktuellen Situation herauszuhelfen?
Bin ich zu vorsichtig? Oder vielleicht zu fordernd?
Und manchmal auch: Werde ich jemals wieder einfach unbeschwert aufsteigen und mit Helgi ausreiten gehen können?
Diese Fragen sind vermutlich unvermeidbar, und es ist wichtig, darüber nachzudenken.
Aber jetzt ist es an der Zeit mich wieder daran zu erinnern, warum ich mit Herz und Seele Freizeitreiterin bin: Es gibt so viele schöne Momente mit Helgi, die ich mir wieder ins Gedächtnis zurück rufen will.
Einige dieser Momente hatte ich bereits hier im Blog festgehalten:
Zum Beispiel den etwas abenteuerlichen Nachmittag im Schnee, als Helgi einen kaputten Weidezaun schneller gesehen hat als ich.
Oder den Nachmittag im Stall nach dem Ausmisten, als Helgi mit mir zusammen die Sonne genoss und döste während ich im Paddock neben ihm saß.
Und das Spaßturnier auf unserem Hof, bei dem Helgi so richtig auflebte.
Reiten ist wichtig für mich, aber wenn ich so zurück denke, spielen bei vielen meiner schönsten Erinnerungen ganz andere Dinge eine Rolle. Das sind gemeinsame Momente, in denen Helgi und ich zusammen Spaß hatten oder einfach nur entspannen konnten.
Manch ein schöner Ausritt ist dabei, aber viele der schönsten Momente passieren, wenn ich mit meinem Pferd auf Augenhöhe unterwegs bin – in jeglicher Hinsicht.
Sei es eine Fotosession mit dem neugierigen Helgi, ein Ausritt, auf dem Helgi entscheidet ob ich reiten darf, oder ein gemeinsamer Besuch auf der Weide zum Anweiden nach dem langen Winter: Hier sind einige Momente, in denen Helgi und ich unbeschwert Spaß miteinander hatten.
Eine Fotosession für das Jungpferdetagebuch
Die Autoren-Exemplare von Helgis Jungpferdetagebuch sind gekommen und ich bin mächtig stolz auf mein neues Buch. Da müssen gleich Fotos mit der Hauptperson her, damit ich sie auf Instragram posten kann!
Also wird ein Buch und die Kamera eingepackt, und mein Mann Stephan und ich ziehen mit Picknick-Zutaten zu Helgi auf die Weide. Der ist neugierig was wir da seltsames tun, und spielt Fotomodell, als sei er dafür geboren.
Gelegentlich wird einmal kurz vom verlockend grünen Frühlingsgras genascht, dann kommt er wieder zu mir und guckt, was ich denn da spannendes mache. Auch als wir alle unsere Fotos gemacht haben und gemütlich auf unserer Picknickdecke sitzen, will Helgi ganz nah dabei sein.
Das Gras unter der Decke schmeckt bestimmt am Besten, oder? Und kann er mal an mein Ohr stupsen und über meine Schulter gucken, warum ich so interessiert in das Buch starre?
Helgi ist und bleibt ein kleiner Quatschkopf!
Ein Ausritt auf freiwilliger Basis
Es ist das lange Oster-Wochenende. Stephan und ich nutzen die Gelegenheit, die Pferde zu satteln und ins Gelände zu reiten.
Wie zum Beispiel im letzten Blogpost berichtet, waren wir in den letzten beiden Wochen schon mehrfach mit anderen Reitern zusammen ausgeritten. Fremde Pferde findet Helgi immer besonders motivierend, so dass ich bei diesen Gelegenheiten über längere Strecken reiten konnte, ohne dass er protestierte.
Heute gibt es die Probe aufs Exempel: Reicht die Motivation bei einem Ausritt nur mit Skarpur, dass Helgi mich freiwillig trägt? Ich will Helgi gründlich aufwärmen und führe die erste Viertelstunde, einige ordentliche Steigungen hinauf. Anders als in den Wochen davor hält Helgi heute Skarpurs starkes Schritttempo problemlos mit. Oben angekommen bin ich außer Atem, Helgi nicht. Das ist ein gutes Zeichen!
Ich sitze auf, gebe das übliche "Start-Leckerli", und Helgi geht ohne zu zögern los. Juchu, Skarpurs Gesellschaft reicht als Motivation! Wir tölten ein ganzes Stück in flottem Tempo, auch leicht bergauf, kein Problem.
Helgi will sogar eine Zeit lang vorne laufen, was schon lange nicht mehr der Fall war. Fast eine halbe Stunde lang fühlt sich mein Pferd unter mir an wie ein Gesunder. Dann geht ihm die Kraft aus und die Schritte werden kürzer und verspannter. An einem recht steilen Stück bergab bleibt Helgi stehen und fordert mich zum Absitzen auf.
Das tue ich und führe mein jetzt etwas schwungloses und steifes Pony. Nach ein paar Minuten werden seine Schritte aber wieder länger und der Kopf schwingt locker mit.
Ich sitze nochmal auf, was Helgi akzeptiert. Aber als Skarpur vor ihm antrabt, macht Helgi klar: Im Schritt ist er bereit mich zu tragen, aber schneller geht's heute nicht mehr. Auch gut, dann geht es jetzt gemütlich zurück Richtung Heimat, erst noch ein Stück im Sattel, dann zu Fuß.
Helgi ist fröhlich, guckt in der Gegend herum und will sogar einmal vom Stall weg in einen Weg abbiegen, den er offensichtlich spannend findet.
Mein Pony hat seine Neugierde wiederentdeckt, und ich bin glücklich.
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Anweiden mit Spaßfaktor
So langsam wird es Frühling, und das Gras sieht schon recht grün und lecker aus. Helgi guckt schon seit Wochen immer sehnsüchtig in Richtung Weide, wenn wir dort vorbei gehen.
Heute darf er zum Anweiden auf ein kleines, recht steiles Stück Wiese. Ich setze mich dazu und zücke das Handy, um Fotos zu machen. Helgi stürzt sich mit Heißhunger auf das Gras. Er kommt kaum mit Schlucken hinterher, so schnell muss er sich das Maul voll stopfen!
Und dann packt ihn der Übermut. Er galoppiert in einem Affenzahn über die steile Weide. Hin, und her, und nochmal hin, und dann auf mich zu.
Ich laufe ein Stück vor, und Helgi gibt noch einmal Gas, dreht eine Runde um mich, dann noch eine.
Dann wieder ein paar hektische Maul voll Gras, und nochmal rennen. Die Freude steht ihm ins Gesicht geschrieben. Er kommt immer wieder kurz zu mir bevor er wieder losrennt.
Schade dass ich sein Tempo nicht mithalten kann. Das sieht nach sehr viel Spaß aus!
Und so viele andere kleine Glücksmomente
Nachdem ich einmal angefangen habe mir die schönen Erlebnisse ins Gedächtnis zu rufen fallen mir jede Menge kleine Momente ein, in denen ich einmal tief durchgeatmet habe und einfach nur mit meinem Pferd glücklich war.
Da war der Abend, an dem der Sonnenuntergang den Himmel in ein blau-rotes Lichtermeer verwandelt hat. Helgi und ich arbeiteten frei auf dem Reitplatz und standen dann einfach nur entspannt zusammen. Helgi war glaube ich nicht sehr beeindruckt von dem Farbenspiel. Ich dafür umso mehr!
Vor ein oder zwei Wochen hatte ich an einem Nachmittag einmal richtig Glück: Ich kam mitten in einem Wolkenbruch am Stall an, um die Pferde impfen zu lassen. Als der Tierarzt wieder weg war kam die Sonne heraus. Helgi und ich machten einen Spaziergang zwischen den nassen, in der Sonne glitzernden Weiden. Ganz harmonisch und zufrieden, und ausnahmsweise ohne Diskussion, ob wir am frischen Gras stehen bleiben.
Wenn ich nachmittags nicht zum Reiten gekommen bin fahre ich abends in den Stall, um Helgi sein Magenfutter zu geben. Das frisst er sehr gerne, und kommt daher mit gespitzten Ohren zu mir, wenn er mich sieht.
Wenn das Futter aufgefressen ist, möchte Helgi mich oft nicht gehen lassen und bietet an, Freiarbeit zu machen: Biegeübungen und Seitengänge kann man ganz hervorragend im Paddock machen, oder nicht?
Und manchmal stehe ich einfach nur vor dem Stall und gucke mir an, wie Helgi uns Skarpur gesellig nebeneinander stehen und zufrieden mit sich und der Welt zu sein scheinen.
Vielleicht wird die Behandlung auf lange Sicht anschlagen und ich werde Helgi wieder normal reiten können. Aber auch wenn das nicht klappen sollte, haben Helgi und ich bestimmt noch viele schöne Momente vor uns, die wir beide genießen können.
Die ursprüngliche Geschichte von Helgis Ausbildung mit vielen Tipps zur täglichen Arbeit mit dem eigenen Pferd gibt es in Helgis Jungpferdetagebuch, erschienen im April 2024 beim Müller Rüschlikon Verlag.
Das Jungpferdetagebuch begleitet ein Jahr lang das tägliche Training, mit allen Höhen und Tiefen, Problemen und deren Lösungen. Ich erzähle aus der Perspektive einer Freizeitreiterin, wie sich Helgi unter der Begleitung meiner Trainerin Johanna Tryggvason zu einem zuverlässigen Partner entwickelt hat.
Ein Ratgeber einer Freizeitreiterin für Islandpferdefans, Freizeitreiter und deren Trainer.
Das Buch geht auf die Besonderheiten der Jungpferdeausbildung ein, bietet aber auch viele Tipps für die Arbeit mit Pferden jeden Alters.
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