Pferdefußball, Variante "Tandri Spezial"
Die Einstellerinnen auf unserem Hof haben einen neuen Sport entdeckt: Das Fußballspielen zu Pferd.
Alle Beteiligten haben viel Spaß bei dem Spiel. Ein großer Sitzball dient als Fußball, den die Reiterinnen in ein Tor befördern sollen. Eine Reiterin steuert ihr Pferd auf den Ball zu, und das Pferd macht den Rest, indem es den Ball mit den Vorderbeinen vorwärts pusht. Bonuspunkte, wenn es dagegentritt und den Ball von sich wegschießt.
Das will ich mit Tandri auch lernen!
Also leihe ich mir den Sitzball und gehe frohgemut mit Tandri in die heute Abend leere Reithalle zum Üben, erstmal zu Fuß. Tandri findet den Ball anfangs furchtbar unheimlich. Er steht in zwei Meter Entfernung und schnaubt das Ungeheuer prustend an.
Nachdem der Ball ihn auch nach mehreren Minuten immer noch nicht gefressen hat, lässt er sich aber überzeugen, hin zu gehen und das bedrohliche Objekt zu beschnuppern.
Es attackiert immer noch nicht, und Tandri beruhigt sich langsam. Aber als ich versuche, ihn durch sanftes Zupfen am Führstrick zu überzeugen, den Ball mit den Beinen wegzuschubsen, geht ihm doch wieder der Mut aus. Er legt den Rückwärtsgang ein.
Beim nächsten Versuch sieht das Ergebnis wieder genauso aus. Also probiere ich es anders: Ich ziehe Tandri das Halfter aus und stelle mich mit Leckerli auf die andere Seite des Balls, locke Tandri zu mir. Der ist nicht überzeugt und läuft lieber einen Bogen um den Ball herum, statt ihn mit den Vorderbeinen zu berühren. Ich laufe auch einen Bogen, um den Ball zwischen uns zu halten.
Nach einigen Runden „Fangen spielen“ versteht Tandri, dass er sein Leckerli so nicht verdienen kann.
Er bleibt stehen und guckt mich frustriert an, guckt den Ball an. Ich mache einen Schritt rückwärts, weg von Tandri, aber mit dem Ball immer noch zwischen uns.
Tandri guckt den Ball wieder an, stupst daran.
Versucht, darum herum zu laufen und zu mir zu kommen. Ich muss mich beeilen, um den Ball zwischen uns zu halten.
Da stehen wir dann wieder und gucken uns an. Tandri ist sichtlich ungehalten. Er möchte sein Leckerli verdienen, aber den Ball „anzurempeln“ ist scheinbar immer noch keine Option. Patt-Situation.
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Jetzt wird es Tandri zu bunt.
Er geht zum Ball, holt aus und schubst den Ball mit Schmackes aus dem Weg – mit der Nase!
Ich lache laut auf und gebe meinem erfinderischen Pferd sein lang-ersehntes Leckerli.
Was für eine Lösung! Jetzt ist Tandri sehr stolz auf sich und geht gleich wieder zum Ball, um ihn wegzuschubsen. Ich laufe lachend hinterher, und es entwickelt sich ein lebhaftes Fußballspiel.
Naja, auf meiner Seite ist es ein Fußballspiel. Auf Tandris Seite eher eine Nasenballspiel. Jedenfalls laufen wir kreuz und quer durch die Halle uns spielen uns gegenseitig den Ball zu.
So hatte ich mir das nicht vorgestellt, aber Tandris Variante des Spiels macht uns beiden jede Menge Spaß.
Von diesem Tag an war das Ballspiel am eine unserer Lieblingsbeschäftigungen, wenn ich nach einem langen Tag im Büro abends nicht mehr "ernsthaft" mit Tandri arbeiten wollte.
Da bekamen wir beide eine ordentliche Portion Bewegung, indem wir mit dem Ball kreuz und quer durch die Halle rannten.
Tandri hat nie gelernt, den Ball mit den Beinen weg zu schieben. Ich habe auch nie versucht, ob Tandri den Ball auch mit dem Kopf weggeschossen hätte während ich ihn ritt.
So bin ich also bei den "berittenen" Fußballspielen der anderen Einstellerinnen immer Zuschauerin geblieben.
Das habe ich aber nie bereut. Dazu hat das gegenseitige Ball zuschießen mit Tandri einfach zu viel Spaß gemacht!
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